Stockholm Marathon 2014 ist geschafft

Nun, ALLES was zählte, war das Ziel zu erreichen.

Es war mein erstes Ziel, nach 2 Jahren Pause und einem Neuanfang im Januar 2014, den Stockholm Marathon 2014 zu finishen!

Wie immer hängen meine Ziele recht hoch, mit Kleinkram gebe ich mich halt nicht ab 😉

Der 31.05. war nicht nur der Tag vom Stockholm Marathon, sondern der Tag, mit dem dieser Blog hier an fing.

Am 31.05.2008 wollte ich den ersten Marathon in Stockholm laufen, was aber bekanntlich nicht klappte. Daher der Blog MIT40-42.de, also mit 40 Jahren 42Km.
Nun bin ich 46 Jahre geworden und am selben Tag wie damals zu meinem 40. Geburtstag lief ich dieses mal doch den Marathon.
Es war nicht nur ein Marathon, sondern der Marathon nach der Auszeit, also MEIN Wiedereinstieg in die Läufergemeinde.

Ein Problem hatte ich dieses mal aber, ich war noch nie so schwer – 84kg – und meine längste Trainings/Wettkampf Strecke waren 21km ein HM.

Aber ich wollte es schaffen um so wieder den Einstieg zum Laufen zu schaffen und den Teufelskreis zu durchbrechen.

Wie immer musste ich gleich am Wochenende vor dem Marathon mit Schrecken fest stellen, das ich einen dicken Hals bekam und kaum Schlucken konnte. Naja dachte ich mir, wird wohl bis Montag weg sein. Wir wollten am Dienstag, den 27.05.2014 schon nach Stockholm fahren und ein paar Tage vor dem Marathon Urlaub machen. Am Montag war der Hals aber immer noch dick und Schlucken viel mir schwer. Der Supergau ist somit eingetreten, die Frage war nur, ein VIRUS, oder Bakterien?
Ich ging Am Morgen gleich zum Hausarzt, der mich zum Glück gleich untersuchte und ein paar Mittel verschrieb. Blutabnahme und Daumen drücken, das das Labor nichts schlimmes fest stellte. Das Problem, am Dienstag geht schon der Flieger.
Am Nachmittag zurück zum Doc und er gab Entwarnung, Kein Virus, nichts Bakterielles, Blutbild ok. Also die Halsschmerzen waren schon besser aber noch da. Ich schluckte also die Halstabletten und hoffte.

Am Donnerstag in Schweden, wollte ich eine kleine Runde laufen, nur 7-10km, um zu sehen ob es geht, oder ich zu Schlapp bin. Man so schwere Beine hatte ich schon lange nicht mehr! ABER wir waren am Tag zuvor auch Stunden durch Stockholm gelaufen. Was aber sehr gut war, nach ca. 5km wurde der Hals frei und ich konnte plötzlich wieder Schlucken.

Die 7km waren ein Erfolg, ich kam dann wieder locker im Hotel an und freute mich, das die Halsschmerzen weg waren. DANKE DOC !

Was soll ich sagen, im Hotel trafen wir ein Paar, sie hatte auch vor den Marathon zu laufen und so kamen wir ins Gespräch. Sie hatte alle langen Läufe gemacht und ich nicht, mit jedem Satz und jeder Minute Zweifelte ich mehr, ob ich die 42,195km überhaupt schaffen kann. Mein Ziel war ja KEINE Bestzeit, sondern nur Ankommen, 5:30h wäre GUT.

Meine Zweifel wurden immer Stärker, aber die Freude auch! Am Donnerstag holte ich dann die Startnummer und als ich diese in den Händen hielt, war Klar, nun starte ich  auch!

Am Freitag gingen wir nochmal kurz in Stadt um ein paar Geschenke zu kaufen, am Abend wollten wir mit dem Paar zur Pasta-Party gehen. Leider Regnete es am Freitag und Lust bei dem Wetter im Pasta Zelt zu sitzen hatte ich auch nicht, um dann am Samstag krank zu sein. Aber das andere Paar hatte die gleichen Bedenken und so suchten wir uns eine nettes Lokal wo wir uns für den Lauf am nächsten Tag stärkten.

Samstag 31.05.2014, der große Tag ist gekommen.

Am Morgen lief alles seine Gang, das Ritual vor dem Marathon konnte ich in aller Ruhe durch ziehen, da meine Frau schon zum Frühstück runter gegangen war. Ihr kennt das bestimmt, da ist man unerträglich und will nicht gestört werden. Was soll ich sagen, ich freute mich und fühlte mich echt GUT!
Nach einem gutem Frühstück ging es per Zug nach Stockholm. Im Zug waren so viele Läufer, das ich gar nicht mehr ans Abbrechen dachte, es war nur Freude und Aufregung.
Da wusste ich was mir 2 Jahre lang fehlte ;).

Am Station angekommen, machte ich mich gleich auf den Weg zu Kleidersack Abgabe, meine Frau wollte noch ein Band mit den Laufzeiten holen, damit sie ungefähr weiß wo ich wann bin. Ab da habe ich sie nicht mehr gesehen.

Alles ging recht schnell, der Start war um 12:00Uhr, ich stand im Block F und der Start war 12:10Uhr. Wie sollte es anders sein, kaum sind die ersten gestartet und wir mussten noch 10 Minuten warten, fing es an zu Regnen. Das war nicht so Gut, denn bei 13°C und regen, war es echt Kalt in Kurzen Kleidern. Aber was soll man sagen, als unser Start kurz bevor stand, ging der Himmel auf und die Sonne kam raus.

Der Startschuss für den 2. Start viel und alles war vergessen.
Ich lief locker los, aber man, so schwer lief ich selten los. Es kam mir vor, als würde ich 100kg wiegen.
Nach 2km ging es dann, war nur die Kälte und als die Muskeln warm wurden, lief es sich auch viel lockerer. Das Tempo war wie immer zu schnell zu Beginn, also ging ich gleich mal auf die Bremse, denn die Zielzeit 5:30h reichte mir alle mahle und wenn es besser läuft, kann ich immer noch schneller werden.

Nach 5km habe ich mich bei 7:20Min/km eingependelt und somit ca. 20Sek. schneller als eine Finish bei 5:30h. Ich lief hinter einer Schwedin her, die sehr konstant lief und somit hatte ich einen Schrittmacher. Wir liefen den ersten HalbMarathon zusammen, die Zeiten lagen zwischen 7:10Min/km und 7:30Min/km, also locker vor dem Tempoläufer mit Finish 5:30h.

Was ich nicht hoffte, aber befürchtet trat bei KM20 ein. Die Schmerzen im linken Bein/Pobacke(Rücken) kamen und wie!

Im Halbmarathon Anfang Mai, bekam ich Probleme bei 18km, Schmerzen im Rücken über der Linken Pobacke, linker Oberschenkel, so das ich nicht mehr auftreten konnte.

Genau dieser Schmerz kam nun und das heftig! Ich musste Sie laufen lassen und bei 20km musste ich plötzlich gehen und konnte vor Schmerzen kaum noch auftreten.
Nun war die Situation da, vor der ich Angst hatte, ich wollte AUFGEBEN. Ich sagte mir, he, den Halben machst Du aber noch fertig und quälte mich den 1km bis zur Zeitmessung 21,1 km.

Was mir aber nicht entgangen war ist, das der 5:30h Läufer nach nicht an mir vorbei war. Also sagte ich mir, ich versuche 1km zu laufen und 1km gehen. So fing ich wieder an zu laufen, die kleinen Schritte schmerzten enorm. Jeder Schritt ein Stick in den Rücken! So fing ich schon wieder nach ein paar hundert Metern an zu gehen. Und schon kan der 5:30h Läufer mit seinen Anhängern.

In diesem Moment war es mir egal! Ich ging weiter und versuchte so auf zu treten, das es nicht schmerzte. Aber gehen tat weh und traben auch! Die Zeit lief mir davon 22km und noch 19km vor mir. Ich fing wieder an zu laufen und wurde dabei immer schneller, nun merkte ich, wenn ich lange Schritte machte, schmerzte es nicht so. Ich lief wieder 2km durch, bis es mir wieder in den Rücken Schoß.

ICH STEIGE AUS, das waren meine Gedanken, bei 28km wollte ich AUFGEBEN, zum 2. mal. Die Schmerzen waren so stark, das ich nun sogar stehen bleiben musste. Erschöpfung, keine Anzeichen davon, ich lief ja langsamer als im Training. Die Schmerzen ließen wieder etwas nach und nun bereits bei 29km angekommen lief ich wieder langsam los.

Bei 30km stand meine Frau und ich sagte Ihr nur, das mir der Rücken weh tut und ich kaum noch auftreten kann, aber da ich im laufen war, lief ich einfach weiter. Ich lief nun bis 33km durch und war recht Überrascht, das es mit den großen Schritten so gut klappte. Aber die Schmerzen im Rücken wurden nun von zwei großen Blasen an den Füßen übertroffen. Was gut war, denn diesen Schmerz kenne ich und kann ihn ausblenden.

Jetzt packte mich der Ehrgeiz und bei 34km angekommen schaute ich auf die Uhr, die 5:30h schaffe ich nicht mehr aber wenn ich nun weiter gehe, dann schaffe ich es auch nicht unter 6:00h und dann gibt es eine Finisher T-Shirt mehr und Keine Wertung. Aber wozu hätte ich mich dann gequält um dann dann doch nicht den Marathon am 31.5 zu meinem 46. Geburtstag zu schaffen?!

Ich plante nun über die Brücke zu gehen, Berg ab laufen. Was aber sehr schwer war, denn ab 35km, dem Hauptbahnhof ging es nur noch Bergauf!

Ich nahm mir 3 Becher Cola, was wohl mein Glück war. Am Hauptbahnhof stand meine Frau wieder, ich sagte Ihr nur, ich schaffe es wohl nicht unter 6:00h, sie solle gleich zum Station fahren. Kaum war ich am Hauptbahnhof vorbei und die Cola wirkte. Ich fing wieder an zu laufen 36km sind geschafft und nur noch 6km vor mir! Ich sagte mir, das ist der Weg nach Hause, von meiner Trainingsstrecke und diesen Weg schaffte ich bis jetzt immer.

Ich habe keine Ahnung warum, aber ich fing an zu laufen, laufen,laufen

Ich hatte keine Schmerzen mehr, die Blasen an den Füßen spürte ich nicht mehr, den Rücken auch nicht, ich lief einfach nur noch und wurde immer schneller. Ich mal wieder am 35km Punkt und nun kam der berühmte Nachbrenner. Ich schaute auf dem Boden 1m vor mir und alles floss an mir vorbei und lief wie in einem Tunnel, wobei ich fast eine Mädel um lief die mir nur Wasser geben wollte. Sorry, aber ich sah sie nicht.

40km und ich lief noch immer nun mit einem 6:15Min/km Schnitt, wow. Naja viel Kraft habe ich ja nicht verbraucht auf den letzte 40km 😉

Die letzte Ecke und schon ist der Turm vom Station zu sehen, die Leute flippten regelrecht aus, da ich wie eine Maschine lief und kein anderer mehr so ein  Tempo drauf hatte. Sie feuerten uns an und lief.

Das Station in Sicht, nun ist es geschafft, die Uhr zeit 5:45h, also wenn ich nun nicht tot umfalle, habe ich es geschafft!

Der Einlauf ins Station und ich fing an zu schreien,
vergessen die Schmerzen,
vergessen die ABBRUCH Gedanken,
vergessen die Qualen, ich bin im Ziel,
ich habe es unter 6:00h geschafft und zu meinem 46. Geburtstag am 31.05.2014, lief ich den Stockholm Marathon in

5:47h!

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