Tagebuch – Stockholm-Marathon 2009 – Tag 5 von 8 -Teil 1 von 3

090530_13-04-41Samstag, der 30.05.2009 – Der Tag des Stockholm Marathons, Teil 1 von 3

Nun ist der Tag gekommen, auf den ich mich so sehr freute und für den ich so viel trainiert habe. Samstag, der 30.05.2009 – Stockholm Marathon 2009 um 14:00Uhr

Nach einer kurzen Nacht, in der ich bestimmt 10x auf die Toilette musste, mich x mal dehnte und streckte und wahrscheinlich tausend mal im Bett umher wälzte, ging es zum Frühstück der besonderen Art. Ich lief schon seit Tagen mit den Blättern in der Hand rum, auf dem die Tipps standen, wie man sich die letzte Woche vor dem großen Lauf verhalten sollte. Hier stand auch drauf, was man am letzten Tag auf keinem Fall essen sollte und was ok ist. Somit verzichtete ich auf das allmorgendliche Müsli und begnügte mich mit Toastbrot und Eier. Ich begann schon ganz schön viel zu schwatzen, was den anderen am Tisch auch auffiel, so kam meine Aufregung langsam zum Vorschein.

Nach dem Frühstück ging es gleich ins Auto, denn die Tasche mit den Laufsachen usw. habe ich ja gemäß den Tipps, schon am Abend zuvor gepackt. Die Fahrt zum Bahnhof verging recht schnell und zu unserer Überraschung saß keiner Hinter dem Schalter, so konnten wir auch keine Fahrkarte bei ihm kaufen. NUN, was sollen wir nun tun, nach einer kurzen Rücksprache und Erkundigung bei anderen Fahrgästen, wurde uns versichert, das wir die Fahrkarte auch im Zug lösen könnten. Mit gutem Gewissen stiegen wir in den Zug ein, denn wenn der Schaffner kommt, sollte er doch bescheid wissen, das der Schalter am Bahnhof nicht besetzt war und wir somit keine Fahrkarte kaufen konnten. Das Handysystem ging bei uns auch nicht. Cool was in Schweden so alles mit dem Handy geht, Fahrkarten kaufen, Parkplatz bezahlen und noch bestimmt viel mehr.

Die Fahr nach Stockholm zum Hauptbahnhof dauerte ca. 40Min. Es war eine schöne Fahrt, der Zug war sauber und den Schaffner haben wir auch nicht gesehen ;-). Vom Hauptbahnhof ging es mit der U-Bahn zum Olympiastation, was gar nicht so einfach ist, denn die Bahnen fahren nicht wie bei uns auf einer Ebene in je eine Richtung, nein, auf der einen Ebene fahren sie nach Norden und eine Ebene tiefer nach Süden. Wir haben uns schon wir bei Harry Potter gefühlt, denn die Leute gingen mit Ihren Stockholm Marathon Rucksäcken, an einem Betonpfeiler vorbei und waren danach nicht mehr zu sehen. Nun, wie bei Harry Potter auf dem Bahnsteig ;-). Nachdem die alle verschwunden waren, gingen wir auch in die Richtung und siehe da, es gab eine Treppe die eine Ebene tiefer führte und somit auf den Bahnsteig in Richtung Olympiastation.

Die Fahrt in der U-Bahn war schon ein Völkertreffen der besonderen Art, so viele verschiedene Nationen in einem Wagon, wow.

090530_12-27-23Angekommen beim Olympiastation, hieß es nun, sich mit dem Strom der Massen nach oben treiben zu lassen.

Es war einfach unglaublich, vor uns und hinter uns, schien der Strom der Leute nicht abzubrechen. So weit das Auge schauen konnte, alles voller Sportler und deren Fans. 090530_12-30-27Wir liefen mit den Massen zum Treffpunkt, wobei wir aber kurz vorher einen Abstecher ins Olympiastation machen wollten.

090530_13-02-09Hier im Olympiastadion fanden sich schon eine Läufer ein, sie wollten wohl wie auch ich, sehen, was sie am Ende des Marathons erwarten würde. Ein paar Minuten ließ ich diese Atmosphäre auf mich einwirken und sammelte meine letzten Gedanken.

090530_12-40-14Ein Foto vor den Zieleinlauf musste es sein, denn man weiß ja nie, vielleicht schafft man es ja nicht und so hätte ich wenigstens ein Foto von Ziel gehabt ;-). Ein kleines Interview mit meiner Tochter zur meinem Vorhaben und meiner derzeitigen Verfassung und schon zog ich mich um für den großen Lauf.

Ich konnte es noch immer nicht so recht begreifen, das ich nun hier in diesem Olympiastation in Stockholm sitze bzw. stehe und der Startschuss zum Stockholm Marathon 2009 in 30 Minuten fällt.

Alles um mich herum schien langsam in eine Art Schleier zu fallen und merkte wie meine innere Ruhe zurück kam. Wie im Rausch zog ich meine Schuhe an und nahm ein Powerpack zu mir. „Der Chip muss fest sitzen, ich muss ihn 2 mal sichern“ das waren so meine letzten Gedanken. Dann ging es auch schon um 13:35Uhr zum Treffpunkt.

090530_13-22-11Noch ein Foto von den Massen an Läufern und mir und schon wurde ich knall hart aus dem Traum gerissen. Die Kleidersäcke konnte man, unten auf dem Spielfeld, bis 13:45Uhr abgeben und meine kleine sagte erschrocken nur „..Papa – es ist 13:44Uhr, Du musst die Sachen noch abgeben…“. Ich schaute auf die Uhr, gab meinen „Fans“ einen Kuss, die wünschten mir viel Glück und schwuppdiwupp, schon war ich unten bei der Kleiderabgabe und suchte den Weg zu meinem Startblock.

Ich schaute mich erstmal um wie ich denn am besten zum Startblock kam, denn die Zugänge führten durch Öffnungen im Zaun, der um dieses Gelände führte.
090530_13-27-09Aber wie bei jedem Läufer, machte sich die Aufregung auch nochmal in der Art bemerkbar, das ich nochmal auf die Pippi Box musste. Zum Glück nichts großes, denn da standen die ja Schlange, wie beim Freibier.

Ein paar Leute folgten einen Pfad durch ein Waldstück und ich folgte Ihnen und schon kamen wir an einen Zaun der uns vom offiziellen Weg trennte. Aber ein paar Meter weiter war schon ein Tür „gebaut worden“, die dann auch benutzte. Kurze Zeit später und ca. 300m weiter kam ich dann zum „Einlass“ in meinen Block. Hier standen echt Leute die auf die Nummer geschaut haben, so das niemand mit der falschen Nummer im Block steht. Cool.

Ich suchte mir gleich einen Schattigen Platz auf der gegenüber liegenden Seite und versuchte zu verstehen, das ich nun einer derjenigen bin, die es tatsächlich wagen 42,2km zu laufen…..

Hier traf ich dann auch die Schweizer wieder, die ich im Olympiastadion getroffen hatte. Der eine von Ihn läuft seinen 11. Marathon und er sagt doch glatt zu mir „.. heute zählt nur eins, das ist durchhalten und ankommen…“.

Wow, wenn das einer sagt, der schon 10 Marathons gelaufen ist, was soll ich denn da sagen. Ich sagte zu Ihm „… danke, ich wollte heute eine gute Zeit laufen, es ist mein erster Marathon und ich wollte den unter 4:00:00 Stunden laufen…“ Er schaut mich an und sagt nur „.. durchkommen zählt heute…“.

Nun, was soll man dazu sagen, ich machte mir keinen Kopf mehr um die 4Stunden, denn ich wusste schon jetzt, das es nicht klappen kann. Das Thermometer zeigte schon 25,5°C, ich habe 3 Wochen nicht mehr trainiert und weiss nicht, ob die Verletzung verheilt ist.

090530_13-55-06Die Stimmung in den Startblöcken steigt, die Massen werden immer mehr aufgeheizt vom Sprecher und man kann das Adrenalin förmlich riechen und schmecken. Also wenn der Start nun aus welchen Gründen auch immer abgesagt werden würde, dann wäre hier die Hölle los. Die Stimmung kommt seinem Höhepunkt näher, als die letzte 5 Minuten angesagt sind und alle 30Sek, die Massen anfingen zu klatschen und zu jubeln. Jeder Satz vom Sprecher wurde euphorisch gefeiert und der Ruhepuls stieg bei mir auf 95!

Die letzten Minuten sind angebrochen. Alle um mich herum fingen an auf der Stelle zu laufen und kaum einer sprach noch was. Jeder hörte wohl nur noch seinen eigenen Herzschlag, so wie ich und wartete auf den Startschuss. Ich fühlte mich so Angespannt und doch Glücklich, ich spürte wie das Adrenalin durch meinen Körper rauschte und alles um mich herum versank. Ich reagierte nicht mal mehr auf die Ansprache vom Schweizer, ich war voll auf die Stimme vom Sprecher konzentriert, der den Countdown zählt…..

090530_14-04-29Es kam der Schuss und ich kam wieder zu mir, der Schweizer klopfte mir auf die Schultern und sagte „… alles ok??…“ Ich sagte Ja, warum, er meinte nur, er habe mich ein paar mal gesprochen und hätte nicht darauf reagiert, hatte wohl die Musik zu laut. Nun die Musik war noch nicht an.

Die Läufer aus dem hinteren Block kamen nun auch nach vorne geströmt und wir setzten uns langsam in Bewegung. Ich versuchte in den Massen meine Familie zu sehen, aber das war absolut Zwecklos, denn da standen ja tausende und vielleicht waren sie ja auch schon auf dem Weg zum ersten Treffpunkt.



Bilder vom 5. Tag


  1. Marathon ist schon eine riesige Veranstaltung – vor allem in Stockholm. Da war mein Marathon in Lübeck doch eine klare Nummer kleiner.