Tagebuch – Stockholm-Marathon 2009 – Tag 2 von 8

Mittwoch, der 27.05.2009 – Der zweite Tag

090527_12-47-45_Canon DIGITAL IXUS 50Die Anreise war lang, aber sehr schön. Der 2. Tag in Schweden in der STRÄNGNÄS KOMMUN , sollte nun dazu genutzt werden etwas von der Umgebung zu sehen. In Mariefied sollte es einen größeren Supermarkt geben als in Stallarholmen, in dem wir uns mit genügend Verpflegung eindecken könnten.

Wie sollte es auch anders sein, als wir am Morgen aufstehen, steht mein Bruder schon am Steg und hat einige Köder durchs Wasser gezogen.

Die Nächte sind sehr kurz, denn am Abend wurde noch recht lange Carcassonne gespielt und die Nacht wird auch nicht richtig dunkel.
Es fällt gar nicht auf, das es schon 0:00Uhr ist, denn draußen war es noch recht hell. Bei uns ist es so hell, wenn es ca. 21:00Uhr ist und somit ging es für die Kids und die anderen, später als geplant ins Bett.

Nun, da ich ja schon früher im Bett lang, sollte das nicht bedeuten, dass ich auch früher aufstehe 😉
Ich blieb lange liegen, denn schließlich steht im Marathonbuch, dass in der letzten Woche der Schlaf eine große Rolle spielt. Ich nahm das sehr ernst!

Den Einkauf für das Frühstück, hatten wir ja am ersten Abend in Stallarholmen erledigt und so waren wir gespannt wie sich das Toastbrot im Backofen toasten lässt.
Eine Herausforderung war auch die Wurst und der Aufschnitt, den wir mit besten Wissen und Gewissen gekauft haben. Die Wurst war wohl nicht der Renner, da hat mein Bruder wohl etwas zu viel Tofu gekauft ;-). Der Aufschnitt konnte sich aber sehen/schmecken lassen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück wurde nun nochmals beraten was wir am 2. Tag tun wollen.
Ich wollte ja NUR den ganzen Tag angeln und schlafen, um für den großen Tag am Samstag ausgeruht und bereit zu sein. Die anderen wollten natürlich was sehen und erleben. Ganz zu schweigen vom Einkauf.

090527_12-48-56_Canon DIGITAL IXUS 50.jpgAlso ging es wie geplant nach Mariefred. Das Navi ins Auto und los, denn noch kannten wir nicht die Abfahrten hin und zurück, die sehen ja alle gleich aus.
In Mariefred angekommen, machen wir uns auf den Weg ins Zentrum, was gar nicht so einfach war. Ein echter Sturm tobte hier und es war echt kalt geworden. Zum Glück hatten wir noch die Jacken im Kofferraum liegen und so mussten wir bei der Stadtbegehung nicht frieren.

Wir schauten uns kurz um und schon wurde uns klar, hier gibt es nur Leben im Zentrum der “Stadt”. Also gingen wir in Richtung Zentrum und schauten uns dabei die nette Achitektur an, die sehr typisch für Schweden war, aber sehr interessant.
Hier im Zentrum suchten wir eine Touristinfo um mehr über die Umgebung zu erfahren und ob und wie man von hier nach Stockholm kommt.

Auf dem Weg zum Zentrum, was sich gerade mal ca. 800m vom Parkplatz entfernt befand, welcher übrigens am “Stadtrand” lag, fanden wir auch den “großen” Supermarkt. Bei uns ist es eher ein Tante Emma Laden und er war leider nicht viel größer als der in Stallarholmen.

Da die Touristikinformation Mittagspause hatte, schauten wir uns den Ortskern ein wenig an. Interessant war, das man links (Richtung Norden) den See sehen konnte und rechts das Ortsende mit dem Golfplatz. Der Ort Mariedred [MAP] ist nicht größer als vielleicht 2x2km. Auf der Karte sieht das alles viel größer aus! Wenn man die Massstäbe aber näher betrachtet, dann ist ein Quadrant 300m und nicht wie bei uns 1km 😉 groß.

Nach der Mittagspause in der TouriInfo nutzte ich die Gelegenheit um kurz online zu gehen, immerhin für 3€ ca.15min, aber es reichte um kurz nach dem rechten zu schauen.
Ein kurzer Besuch im Supermarkt sollte uns wieder mal zeigen, das in Schweden viel Wert auf Diäten gelegt wird, denn hier fanden wir wieder genug glutenfreies zum Essen für unsere große.

In Mariefred gibt es nicht nur einen Golfplatz, der wohl größer ist, als der ganze Ort, sondern auch ein Schloß.


090527_12-06-06_Canon EOS 400D DIGITAL_001Das Gripsholms Schloß

Das burgähnliche Schloss Gripsholm im schwedischen Mariefred in der Gemeinde Strängnäs wurde 1537 von Gustav I. Wasa erbaut – an der Stelle einer Burg aus dem Jahr 1380. Im Schloss ist heute die Staatliche Porträtsammlung mit einer der umfangreichsten Sammlungen von Porträtzeichnungen untergebracht. Sie umfasst mehr als 2.000 Gemälde.

Im deutschen Sprachraum wurde es vor allem durch Kurt Tucholskys Roman Schloß Gripsholm bekannt. [QUELLE:wikipedia]

Hier gibt es ein Video [engl.]

Da es leider keinen Rundgang in deutsch gab, “musste” die Freundin meines Bruders als Reiseleiterin und Schlossführung her halten, indem sie den Reiseführer zu jedem Raum vorgelesen hat. HIERMIT nochmals DANKE!
Wenn man nur so durch das Schloss läuft, dann sieht man ausser vieler bunter Bilder und einigem “Trödel” nichts besonderes.
ABER, wenn man den Prospekt liest (oder sich vorlesen lässt 😉 ), dann erfährt man so einiges Interessantes.
Was uns ganz besonderst aufgefallen ist, sind die hohen aber kleinen Betten, die Geheimgänge zwischen den Herrschaftsräumen und den Dienstbotenräumen und was ganz besonderst auffällt, die haben das Handwerk des recyclings voll beherrscht. Sie haben fast alles wieder verwertet, wenn es ans Umbauen oder Erweitern ging.

Fans von Bildern sind sie auch, echt ins Grübel kamen wir, als wir das Gemälde von Sachsen, Preussen, Badenern usw. gesehen haben. Waren die Schweden hier überall im Krieg oder was? Nein, sie haben nun mal gerne gesammelt und sich mit dem Adel geschmückt.

Also, wenn man mal in die Nähe der Gemeinde Stängnäs kommt, sollte man in Mariefred das Schloss Gripsholm besuchen!

Nach Stunden im Schloss, ging es nochmal kurz in den Ort zum Einkaufen und dann ab nach Hause in unser Ferienhaus am See.
Hier im Haus angekommen, machte ich mich nun ans Angeln, um meiner Absicht – vorm Marathon nur kein Stress und viel Angeln – genüge zu tun.

090527_17-02-41_Canon DIGITAL IXUS 50Was soll ich sagen, kaum am Steg, denke ich an einen Hänger, schitt, denke ich und ziehe langsam aber kräftig an der Rute. Was ist den das, kurz war der Köder frei und plötzlich ein zweiter Hänger?
ABER halt, da zieht doch was und das nicht gerade wenig, in dem Augenblick wo ich die Leine locker lasse, merke ich wie sie wegzieht und da wusste ich, das es ein Biss war.
Ich zog kräftig und kontinuierlich, um ja keine lockere Leine zu bekommen, denn immer schon straff muss sie sein.
Kurz vor dem Steg sah ich ihn nun, ein brechtiger Hecht an der Angel.
NUN stand ich vor der Frage, wie bekomme ich den aus dem Wasser? Mein Bruder angelt seit Jahren regelmäßig, ich habe in meiner Jugend jede freie Minuten im Angelverein verbracht und hunderte Fische gezogen, aber das war vor über 20 Jahren!
Nun musste ich mich entscheiden, die Rute war nicht gerade sehr stabil, eine kleine Teleskoprute für Hobbyangler halt.
Wenn ich zu viel Leine lasse, dann reisst er sich los und haut vielleicht ab, wenn ich versuche ihn auf den Steg zu holen, dann reisst er vielleicht ab. Was macht man ohne Kescher????
Nun aus alten Tage wusste ich noch, dass man auf den richtigen Augenblick warten muss, wenn man den Fisch aus dem Wasser heben möchte, damit er nicht zappelt und sich so losreissen kann.
Ich ließ ihn kämpfen, bis er vor Erschöpfung nichts mehr tat, dann zog ich ihn langsam an den Steg und hob ihn mit einem kurzen leichtem Ruck aus dem Wasser, auf den Steg.
WOW, es hatte geklappt und da lag er nun der erste Hecht nach über 20 Jahren! Nun musste nur noch der Köter aus dem Maul und dann nichts wie hoch zu den anderen, denn nun stand es 1:1 bei den Anglern ;-).

Der Köter steckte recht weit im Maul, in meinem Leichtsinn habe ich versucht mit der Hand den Haken aus dem Maul zu lösen. NUN, das sollte man nicht tun, denn dafür gibt es bekanntlich Hakenlöser und Maulspreizer.
Kaum hatte ich den Haken im Maul berührt, da schnappte der Hecht zu und das richtig! Die Zähne bohrten sich in meinen Daumen und meine Zeigefinger und was soll ich sagen, ja es hat weh getan.

Ich ließ den Köter im Maul und ging mit der ganzen Angel nach oben zum Haus, da hatte ich einen Hakenlöser. Das sah bestimmt ganz blöd aus, ich in einer Hand den Hecht, den ich IN den Kiemen festhielt und in der anderen Hand die Angel. Dass ich IN den Kiemen schreib ist daher, weil ich den FEHLER gemacht habe und mit dem Zeigelinger und Daumen in die Kiemen gerutscht bin. NUN da hat der Hecht auch Zähne und die sind sehr scharf und klein, das schmerzt ganz schön, wenn man die Finger wieder raus zieht 😉

Am Haus könnte ich den Köder lösen und den Hecht töten.
090527_17-20-33_Canon DIGITAL IXUS 50Voller Elan ging ich wieder runter zum Wasser und warf wieder ein paar Würfe in die gleiche Region. Kaum zu glauben, aber nach nur 5Min. hatte ich wieder einen Hänger, der sich wieder als Biss erwies. Diesesmal hatte ich aber den Kescher dabei und so holte ich den Hecht recht schnell aus dem Wasser. Was mir gleich aufviel, da waren eine Art Flecken am Körper, so wir Parasiten bei Rotbarschen und einige Blutige stellen. Nun den wollte ich nicht essen und so habe ich ein Foto gemacht und den Haken gelöst und ab mit Ihm ins Wasser, wo er gleich wieder weg geschwommen ist.

Mein Bruder meinte, ob der Hecht vielleicht einige Reisser von uns abbekommen hatte und daher die Wunden waren? Ich weiss es nicht und ich wollte kein Risiko eingehen. ABER ich wusste, es steht nun 1:2 für mich, im internen Angelwettstreit.

Das konnte mein Bruder nicht auf sich sitzen lassen. So gingen wir am Abend gegen 20:00Uhr, nochmal raus. Diesesmal mit dem Boot und dem Kescher. Wir sind ein wenig am Ufer entlang gefahren und haben einen großen Bogen um den Steg gemacht. Am ende sind wir wieder am Steg angekommen. Nun bis dahin haben wir 1h nur den Wopper gebadet und nichts ist geschehen.
Es war kurz vor dem Steg, nur noch ein paar Würfe wollten wir machen, da ist es geschehen.

Schitt! sagte mein Bruder, ein Hänger, denn er hatte den Köder durchs Schilf gezogen. Kurz darauf sagte er aber, das ist ein Biss, denn der ziegt. An der Rute konnte man schon sehen, das es ein guter Biss sein musste. Er zog ganz schön, bis er den Fisch erstmal aus dem Schilf hatte. Kurz vor dem Boot haben wir dann die Bescherung gesehen, es war auf jedem Fall der größte Hecht, denn wir bis jetzt an der Angel hatten.
090527_21-04-45_Canon DIGITAL IXUS 50Um so näher er an Boot kam um so sicherer wurde diese Vermutung. Wow Was für ein Brocken! Wir überlegten wie wir den aus dem Wasser bekommen. Ich schnappte mir den Kescher und versuchte den kämpfenden Hecht einzufangen, aber das war nicht mal so leicht. Nach ein paar Minuten haben wir es dann geschaft und der Hecht lag im Kescher vor uns im Boot.

090527_21-05-08_Canon DIGITAL IXUS 50Es war uns beiden anzusehen, das wir uns über den Fang rießig gefreud haben. Meinem Bruder stand der Stolz auch auf der Stirn. Meine kleine war mit im Boot und kaum war der Hecht im Boot sagte sie ” ich will auch so einen…”. Aber den hätte sie nicht aus dem Wasser bekomen ;-).
Zum Glück hatte ich die Videokamera im Boot und so habe ich zwar nicht den Fang gefilmt, aber das Ereigniss danach!

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Dieser Hecht hatte gute 85cm, das Gewicht haben wir nicht, aber eins war klar, zu diesem hecht brauchten wir nichts zur Beilage, denn aus dem konnten wir 6 super Filets machen, die uns alle satt machen würden.

Den Abend ließen wir dann nach den aufregenden Ereignissen, ruhig ausklingen.
Den Hecht haben wir zu dem anderen in den Kühlschrank gelegt.

Am nächten Tag wird es dann Hecht zum Mittag geben und wenn wir nicht aufpassen, auch die Tage danach und dann zum Mittag, Abend und vielleicht zum Frühstück 😉

Vor dem Schlafen gehen, habe ich mein Bein nochmal gedehnt und mit die Salbe einmassiert. Ich hatte noch etwas ziehen im Bein und wollte ja am Mittwoch, also den 3. Tag 5-10km laufen gehen. So wie es aussieht könnte es klappen.


Bilder vom 2. Tag

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