Mein schnellster Halbmarathon beim 38. Frühlingslauf Rot [2]

090503_Halbmarathon_Rot_1542.jpgWie versprochen gibt es nun den 2. Teil von meinem schnellstem Halbmarathon beim “38. Frühlingslauf Rot”.

Es war mir gar nicht recht, das ich an diesem Tag einen Halbmarathon laufen wollte, denn den Mittwoch zuvor bin ich in Valkenburg (NL) ganze 28km gelaufen. Es sollten nur 10km werden, aber wie das bei mir nun mal so ist, werden dann schnell etwas mehr Kilometer daraus.

Ich war von der Woche noch ganz schön fertig und ich hatte echt schwere Beine, die Muskeln zogen, der Kopf wollte auch nicht (Motivation), also warum sollte ich am Sonntag Morgen um 6:30Uhr aufstehen und dann 21,1km laufen.

So fühlte ich mich am Samstag den 2.Mai.2009 gegen Mittag. Meine Frau wollte wissen, wann wir losfahren und meine DeMotivation war noch stärker, als die Erschöpfung und die Muskelschmerzen.
Ich sagte nur “… vielleicht gar nicht…”

Am Abend des 2.Mai sah es schon anders aus, als ich um Mitternacht zu Bett ging, ging es mit komischer weise schon besser. Nun machte ich mir aber Gedanken, ob ich mit so wenig Schlaf zurecht kommen würde. Ich bin so gegen 1:00Uhr ins Bett und musste ja um 6:30Uhr raus.

Es war 6:30Uhr, Sonntag den 03.Mai 2009, trotz kurzer Nacht ging es mir recht GUT. Wir gingen es langsam an und nach nach einem kurzen Frühstück ging es um 7:00Uhr auf nach Sankt Leon-Rot zum “38. Frühlingslauf Rot“.
Ich musste so früh losfahren, da ich noch keine Startnummer reserviert hatte.

Angekommen in St. Leon-Rot mussten wir feststellen, das wir noch nicht mal die ersten waren. Der Parkplatz war schon voll und so wurden wir auf die Wiese geschickt.
Auf zur Anmeldung, die Gebühr bezahlt und mal schauen was und wer da so da ist.

Ich finde es cool, wenn man immer wieder die gleichen Läufer sieht und wenn die sogar jemanden erkennen und Glück wünschen.
Wie immer waren die Toiletten voll, wie sonst nur bei den Frauen, ist so ein Lauf Event, wohl die einzigste Veranstaltung, bei dem die Männer vorm Klo Schlange stehen (außer im Station).

Vom letzten Lauf habe ich gelernt, das ich mein PowerGel (erst das 2. mal) kurz vor dem Lauf zu mir nehme. Eine Banane und ein 1/2 Liter ISOdrink habe ich 10Min. vor dem Start zu mir genommen, nachdem ich auf dem Klo war ;-).

Der Start war recht “gemütlich”, die Läufer trudelten so langsam alle ein, es waren noch 2 Minuten bis zum Start und es kamen noch immer welche. Nun hier nahmen es die Läufer nicht so ernst.

Der Startschuß viel pünktlich um 9:15Uhr

rot03052009.pngEs ging am Anfang gleich etwas hoch, eine leichte Steigung ca. 10° und diese war vielleicht 2km lang. Ich dachte mir hier schon, “… cool zum einlaufen und zum Ende hin geht es dann nach unten…”.
Ich hielt mein Tempo bei 5:10-5:20 und wieder stand der Versuchung mit dem Feld am Anfang gleich voll Power zu geben. Soviel habe ich schon gelernt :-).
Ab dem 3. Kilometer versuchte ich mein Tempo bei 5:15 einpendeln in der Hoffnung das ich das Tempo bis zum Schluss durchhalte. Sollte ich es nicht schaffen und auf 5:45er Schnitt zurück fallen, wäre es immer noch ein guter Lauf.

Das Feld zog sich ab dem 4. km auseinander und es ging in den Wald. Ich hatte Mühe einen Zugläufer zu finden, denn man lief teilweise ganz alleine. Eine Läuferin mit der ich eine kurze Strecke zusammen lief, wollte eine Zeit von 1:50h laufen und das wäre auch meine min. Zeit gewesen, also hing ich mich an Sie und ließ mich von Ihr “ziehen”. Mein Plan war es, Ihr bis zum 18. Kilometer zu folgen und dann einen Spurt auf die letzten 3km hin zu legen, mit einem Schnitt von 4:15-4:30, so hätte ich den Schnitt von 5:10 auf 5:00 holen können und wäre unter 1:50h ins ziel gekommen.

Im Wald bei km 10,5, überholte mich eine Läuferin, da ich anhalten musste um ein Steinchen aus dem Schuh zu holen. Sie “schniefte” schon eine ganze Weile hinter mir und nun überholte sie mich doch :-). Sie hatte mein Tempo drauf und Sie lief meinen Schnitt. Ich holte das blöde Steinchen aus dem Schuh und versuchte Sie wieder einzuholen, um die verlorene Zeit wieder gut zu machen. Ich frage ob wir uns nicht gegenseitig ziehen wollen, denn sie läuft ja meinen angestrebten Schnitt. Sie hatte nix dagegen und sagte nur, das sie das Tempo vielleicht nicht bis zum Ziel durchhalten würde. Ich sagte nur “… dann lass uns zusammen laufen, wenn einer nachlässt, zieht der andere ihn…”. Das war ok für Sie und so wurden aus zwei einzel Kämpfern ein Team.

Schön war es, das es genau so kam. Ich wurde ab und zu langsamer und verfiel einem “Trott” unter meinem Schnitt. Sie sagte “.. nicht Schlapp machen…” und rüttelte mich so wieder “wach”. Als ich merkte das wir beide langsamer wurden, sagte ich es Ihr und wir zogen beide das Tempo an. Beide hatten wir die magische Grenze von 17km, bei der uns immer die Kraft verließ, aber diesmal hatten wir ja uns und wir motivierten uns gegenseitig.
Beim diesem Schnitt würden wir die 1:50h schaffen, sagte ich ihr und sie meinte nur “… das wäre meine Traumzeit, Ihr Bestzeit die sie gerne mal laufen würde. …” Nun sagte ich zu Ihr, dann wir dieser Traum heute war werden und wir werden beide eine Bestzeit hinlegen.

Was ich am aller schönsten fand, war die Motivation von Ihr. Als ich Ihr sagte, das ich das alle “nur” tue, weil Ärzte zu mir gesagt haben, das ich mit 39Jahren von den Bettablockern nicht mehr weg kommen werde und das ich es NIEMALS schaffen werde, einen Marathon zu laufen. Ich sagte zu Ihr, das ich mit 39Jahren noch 97kg gewogen habe und mit 40Jahren, den Marathon in Stockholm laufen werde. Sie sagte, das sie auch mal viel mehr gewogen hätte und nun läuft sie neben mir und hatte bestimmt max.65kg. WOW – ab dann war für mich klar, ich bringe diese Frau ins Ziel und zwar mit Ihrer Bestzeit und in Ihrer Traumzeit!

Ich selber fühlte mich echt super. Keine Anzeigen von Erschöpfung und wir haben die 15km schon hinter uns gelassen. Es kam der gefürchtete km17, vor dem wir beide “Angst” hatten. Es gab eine Wasserstation kurz zuvor und so liefen wir über die 17er Marke und ich sagte Ihr mit Absicht nicht den Schnitt. Als wir beim 18.km waren, fragte ich Sie, wie sie sich fühlte und sie sagte ganz gut, die Beine werden schwer, aber es geht noch. Bei mir war keinerlei Ermüdung zu spüren. Diese Tatsache erschreckte mich sogar ein wenig, kommt der Hammer dann später, dafür aber um so stärker???

Nun merkte ich schon, das sie zu kämpfen hatte und die Motivation bei ihr nach ließ. Die Frau mit den langen Haaren, die ich am Anfang vor mir hatte, als “Zugläufer” war ca. 50mm vor uns. Ich sagte Ihr, wenn sie Ihrer Traumzeit von 1:50h erreichen wolle, was sie schaffen kann, dann müssen wir versuchen die Frau vor uns einzuholen, denn läuft bestimmt die 1:50h.

Sie versuchte nun wieder etwas Gas zu geben und ich merkte, das sie kämpft und als ich sagte, welchen Schnitt wir laufen, gab sie noch mal alles.

Wir kamen zum 19km und ich sagte Zu ihr “… kommmmm, hier geht es nun Bergab, es ist die Steigung vom Anfang…, nur noch 2km, die schaffen wir…! Die Uhr zeigt 1:40:12h!!

Das hat Sie nochmal aufgemuntert, denn wenn wir nun den Schnitt von 5:15 halten, dann wären wir in ca.10:40Min im Ziel und das wäre dann in Ihrer Bestzeit von 1:50h.
Ich zog das Tempo langsam an und merkte das Sie keine Kraft mehr hatte. Ich zog nicht davon, so wie sie es wollte, sondern sagte Ihr, das wir doch gesagt haben, das wir seit Kilometer 11 ein Team sind. Teams ziehen sich gegenseitig und lassen sich nicht hängen um selbst eine bessere Zeit zu laufen.
Ich wusste, das ich viel schneller hätte laufen können aber ich würde mit Ihr bei einer Zeit von 1:50h ins Ziel kommen und das wäre auch für mich eine Bestzeit!
Das Tempo habe ich nun auf ca.5:08 angezogen, um den Schnitt unter 5:15 zu ziehen.

Km 20, Sie kämpft und sagt immer wieder, ich solle doch laufen, aber ich habe sie doch nicht bis hier her gebracht um sie nun kurz vorm Ziel Fallen zu lassen! Im Gegenteil, nun spornte ich sie noch mehr an, in dem ich Ihr alle paar Meter die Zeit sagte und Ihr Klar machte, das sie Ihr Traum verwirklichen kann. Solch einen Zugläufer habe ich mir immer selber gewünscht 😉

Das Station ist erreicht, die Grenze bei Ihr aber auch, nun setzte ich mich vor Sie und zog sie, denn die Uhr hatte 1:50Uh erreicht und in ein paar Sekunden auch die 1:51h. Ich spornte nochmal an und auf den letzten 50m gab sie nochmal alles und wir kamen zusammen ins Ziel.

OK, ich war paar Sekunden schneller, aber das ist nun mal so, wenn man vor einem läuft um ihn zu ziehen ;-).

Sie bedankte sich bei mir und zeigte Ihrem Mann voller Stolz, wo Ihre Stoppuhr stehen geblieben ist.

1:50:56h persönliche Best-und Traumzeit

Ich hingegen habe mal wieder vergessen zu stoppen und so wusste ich nur, das ich in etwa 1:50:50h gelaufen bin.

ABER was ich erst später erfahren habe, bei der offiziellen Zeit, das Sie nicht nur einen Traum erfüllt bekam, sondern gleich 2 Träume war wurden. Ich hoffe und denke mal, das sie diesen Tag so schnell nicht vergessen wir.

Die Zeiten der Ergebnissliste sehen wie folgt aus:

Lauf über 21,1 km in Rot am 03. Mai 2009
Lfd. S-Nr. Name Vorname Jg. Verein/Wohnort Zeit AK Pl.
164 1542 Schaaf Jörg 68 MIT40-42.de 1.50:52,0 M40 40
1:50:52h persönlich Bestzeit von mir.

Sie erreichte Ihre Traumzeit
UND
Sie belegte den
1. Platz
Ihrer Altersgruppe
GLÜCKWUNSCH!

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  1. Hammer! Herzlichste Gratulation euch beiden, saubere Leistung.
    Der Oberhammer ist aber, wie ihr zusammengehalten habt und du auch am Schluss zu ihr gestanden hast. DAS nenne ich mal Sportsgeist! Respekt.

    Übrigens auch schön geschrieben, ich konnte richtig mitfiebern 🙂